Praxis von Priv.-Doz. Dr. Moritz E. Wigand

Fechten und Psychotherapie

Häufig sprechen mich Patientinnen und Patienten auf die Fechtinstallation in meinem Behandlungszimmer an. Einerseits steht dieses kleine Kunstwerk dort, weil Fechten ein wichtiger und langjähriger Bestandteil meines Lebens ist. Ich fechte seit meinem 5. Lebensjahr. Ich habe in Mönchengladbach, Berlin, Reims, Ulm und Kiel gefochten und mich in Fechthallen immer zuhause gefühlt.

Fecht-Utensilien von Moritz Wigand

Es gibt aber noch einen zweiten Grund. Der Fechtsport enthält viele Metaphern für das Leben. Bilder, Metaphern und Geschichten sind in der Psychotherapie wertvoll, weil sie anschaulich sind und dadurch gut im Gedächtnis bleiben.

Die Mensur, also das ständige Spiel mit dem Abstand zwischen Fechterinnen und Fechtern, spiegelt die Regulation von Nähe und Distanz in allen zwischenmenschlichen Beziehungen wider. Wie auch in allen anderen Bereichen des Lebens gibt es beim Fechten Menschen, die eher abwartend und zurückhaltend sind, andere sind eher angriffslustig. Früher oder später stellen aber alle fest, dass man einen Treffer nur erzielen kann, wenn man ein Risiko eingeht: und wie im Leben kann man damit erfolgreich sein oder scheitern.

Fechten ist ein Sport, bei dem man gleichzeitig fokussiert, gut vorbereitet, aber auch flexibel sein muss. All dies sind Eigenschaften, die auch im Leben wichtig sind, wenn man mit all seinen Herausforderungen, seinen Höhen und Tiefen gut umgehen möchte.

Die Klingen selbst sind aus Sicherheitsgründen aus einer besonderen Stahllegierung namens Maraging, die sehr biegsam, flexibel und dadurch recht bruchsicher ist. Unter hoher Belastung biegt sich die Klinge, um dann wieder in ihre Ausgangsposition zurückzuschnellen. Dies ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Resilienz aus der Materialkunde. In der Psychotherapie und im Coaching nutzen wir das Wort für psychische Widerstandsfähigkeit auch unter schwierigen Bedingungen.

Sicht auf die Bücher und den Fechtständer

Tröstlich beim Fechten ist für mich das höfliche Miteinander – egal wie wild, knapp oder verbissen das Gefecht war, am Ende ziehen wir die Masken aus, sehen uns in die Augen, grüßen den Gegner, den Obmann und das Publikum. Dann reichen wir uns die unbewaffnete Hand. Auch wenn dies leider nicht auf alle Situationen im Leben übertragbar ist, finde ich diese Höflichkeit und diesen Respekt im zwischenmenschlichen Miteinander ausgesprochen erstrebenswert.

Melden Sie sich für einen Termin

Die Telefonsprechstunde findet regelhaft dienstags und donnerstags in der Zeit zwischen 11:00 Uhr und 12:40 Uhr statt.

Bitte beachten Sie die Ansage auf dem Anrufbeantworter für abweichende Zeiten.